GfbV: Verleihung des Victor-Gollancz-Preises 2009

v.l.: Hajo Funke, Oleg Orlow, Tilman Zülch, José Eden Pereira Magalhães,Freimut Duve (Foto:Katja Wolff/GfbV)

Leseprobe aus bedrohte Völker – pogrom 258, 1/2010

Text: Astrid Bracht

„Medwedew, reden wir doch mal fünf Minuten über die Menschenrechte!“

Am 14. November 2009 verlieh die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) zum 6. Mal ihren Menschenrechtspreis, benannt nach dem Humanisten Victor Gollancz, an die in Russland gegründete Menschenrechtsorganisation MEMORIAL und den katholischen Indianermissionsrat CIMI aus Brasilien.

Oleg Orlow, der Vorsitzende von MEMORIAL, nahm den Preis für seine Organisation entgegen und erzählte in seiner Dankesrede von den schwierigen Umständen, unter denen er und seine Mitstreiter ihre Arbeit machen. Täglich würden die Mitarbeiter mit ihrem Engagement für Menschenrechte ihr Leben riskieren, wie die Ermordung von Anna Politkowskaja und Natalja Estemirowa schmerzlich beweise. Orlow selbst wurde im November 2007 zusammen mit drei Journalisten Opfer einer Scheinhinrichtung – eine traumatische Erfahrung, die er nie wieder wird vergessen können. Entstanden während der Perestroika 1988, besteht MEMORIAL heute aus 80 Organisationen, die vor allem in den GUS-Staaten tätig sind. MEMORIAL widmet sich sowohl der Bewältigung der stalinistischen Vergangenheit als auch der Recherche, Dokumentation und Veröffentlichung gegenwärtiger Menschenrechtsverletzungen, unter anderem in Tschetschenien und Inguschetien.
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JHV der GfbV – Orlov kommt kurz nach erstem Verhör nach Deutschland

Morgen beginnt die Jahreshauptversammlung der Gesellschaft für bedrohte Völker in Göttingen. Auf ihr wird am Samstag um 10 Uhr der diesjährige Viktor Gollancz Preis verliehen. Einer der Preisträger ist die Organisation MEMORIAL, deren Chef Oleg Orlov den Preis entgegen nehmen wird. Nur einen Tag vorher muss er sich in einer ersten Anhörung im strafrechtlichen Prozess wegen Verleumdung des tschetschenischen Präsidenten Ramzan Kadyrow verhören lassen. Orlov hatte nach dem Mord an seiner Mitarbeiterin Natalja Estemirowa Kadyrow als (Mit-) Verantwortlichen für das Verbrechen bezeichnet. In einem zivilrechtlichen Prozess wurde Kadyrow schon Recht gegeben. Weiterlesen