„In the Name of Confucius“: Eine Tour durch Deutschland

Autor: Noel Bronner, Praktikant im Referat für Genozidprävention und Schutzverantwortung

Gemeinsam mit der Tibet Initiative Deutschland (TID) haben wir eine Veranstaltungsreihe organisiert, in der wir in zehn Städten in ganz Deutschland den Film „In the Name of Confucius“ gezeigt haben. Für die Reihe hatten wir die kanadische Regisseurin des Dokumentarfilms, Doris Liu (zweite von links im Foto), nach Deutschland eingeladen. Thema dieser Veranstaltungen waren die sogenannte Konfuzius-Institute. Gemeinsam mit zahlreichen Gästen wie Margarete Bause (MdB), Frank Heinrich (MdB) und auch Vertreter*innen der Konfuzius-Institute entstanden spannende und kontroverse Diskussionen über den wachsenden Einfluss der chinesischen Regierung an deutschen Hochschulen.

Die Konfuzius-Institute sind Einrichtungen, die dabei helfen sollen die chinesische Sprache und Kultur ins Ausland zu tragen. Ihr Programm reicht von Sprachkursen oder Filmvorführung bis hin zu Koch-, oder Kalligrafiekursen. Aber auch Vorträge, Lesungen oder Konzerte sind keine Seltenheit. In Zeiten, in denen die Volksrepublik China zu einer der größten Volkswirtschaften zählt, könne es doch nur von Vorteil sein, die chinesische Sprache und Kultur zu lernen, argumentieren Befürworter*innen der Institute. Auf den ersten Blick scheinen die Konfuzius-Institute also eine großartige Einrichtung zu sein – aber eben nur auf den ersten Blick: Um sich von diesem nicht täuschen zu lassen, hatten es sich die Gesellschaft für bedrohte Völker und die Tibet Initiative Deutschland zur Aufgabe gemacht, ein schärferes Bewusstsein dafür zu schaffen, was hinter den Instituten, die im Namen von Konfuzius handeln, steckt.

Premiere in Berlin

Die Film-Tour begann in der Hauptstadt Berlin: Am Tag der Premiere war die Stimmung angespannt. Nach monatelanger Vorbereitung mit vielen Telefongesprächen und Meetings in Berlin und Göttingen erhoffte man sich natürlich eine hohe Anzahl an Teilnehmenden. Wie würden die Veranstaltung und vor allem die Thematik aufgenommen werden? Wie würden die Reaktionen sein? Und mit den Menschenrechten im Fokus; welchen Mehrwert kann man letztendlich aus der Veranstaltung mitnehmen? Das waren Fragen, die wir uns von Veranstaltung zu Veranstaltung stellten und unsere Aufgeregtheit nur verstärkten.  

Doch schnell wurde klar, dass der Robert-Havemann-Saal im Haus für Demokratie und Menschenrechte voll würde und 100 Sitzplätze nicht ausreichten. Einige Zuschauer*innen standen oder setzten sich auf Tische. Als Doris Liu das Podium dann betrat, waren alle gespannt. Sie war der Grund, warum so viele Menschen unter anderem Margarete Bause (MdB und Sprecherin von Bündnis 90/Grünen im Ausschuss für Menschenrechte und Humanitäre Hilfe, Mitte im Foto), Dr. Frank Heinrich (MdB, Obmann der CDU/CSU im Ausschuss für Menschenrechte und Humanitäre Hilfe, zweiter von rechts im Foto) und Liao Yiwu (Schriftsteller) an diesem Tag zusammengekommen waren, um über die Konfuzius-Institute zu diskutieren.

In China geboren hat Liu selbst Erfahrungen mit der Kommunistischen Partei gemacht. Als Kind von zwei Lehrer*innen unterrichtete sie selbst an einer chinesischen Universität, bevor sie 2005 nach Kanada migrierte. Bildung lag ihr also schon immer am Herzen und so kam es, dass ihr Film, nach dreijährigen Recherche- und Dreharbeiten, schon in elf Ländern gezeigt wurde.

Reaktionen auf den Film

Am Fall von Sonia Zhao zeigt Doris Liu in ihrem Dokumentarfilm „In the Name of Confucius“ wie freiheitliche Werte und sogar Menschenrechte von der Kommunistischen Partei Chinas durch die Konfuzius-Institute verletzt werden. Sonia sucht in Kanada eine Anstellung als Lehrerin am Konfuzius-Institut am TDSB (Toronto District School Board). Unfreiwillig wird sie dazu gezwungen, einen Arbeitsvertrag zu unterschreiben, der sie in ihrer Religionsfreiheit unterdrückt. Unterzeichnet sie ihn nicht, drohen nicht nur ihr, sondern auch ihrer in China lebenden Familie schwerwiegende Folgen. Falun Gong, eine spirituelle meditative Praktik, deren Praktizierende von der Volksrepublik China seit dem Jahr 1999 verfolgt werden, übt sie trotzdem aus, aber eben nur in ihren eigenen vier Wänden. Die Botschaft des Films ist eindeutig: Lasst nicht zu, dass eine Diktatur in freiheitlichen Staaten wie Deutschland Einfluss auf den Wissenschaftsbetrieb nimmt und Menschenrechte verletzt.

Als der Film vorbei ist, bricht Beifall aus. Die Zuschauer*innen honorieren Lius Arbeit und sind offensichtlich erschüttert über den Einfluss und die wachsende Anzahl der Konfuzius-Institute auf der Welt. Viele von Ihnen, mich eingeschlossen, hatten vor dem Film noch nie etwas über die Konfuzius-Institute gehört. Was die Regisseurin sichtlich überraschte, war jedoch nicht das Unwissen im Publikum, schließlich hat Liu selbst auch erst von ihnen gehört, als die Schließung eines Institutes durch die Zeitungen ging, sondern das nur sporadische Wissen seitens der Bundesregierung. So offenbarte die Antwort der Bundesregierung auf die Anfrage der Bündnis 90/Grünen zur Wissenschaftsfreiheit in Bezug auf die Kooperation zwischen Deutschland und China einen geringen Informationsstand.
 
Doch genau darin lag das Ziel dieser Veranstaltungsreihe: In den Köpfen der Gesellschaft ein kritischeres Gedankengut zu platzieren, mit Hilfe dessen jeder selbst abwägen kann, was er von den Konfuzius-Instituten hält.

Produktive Diskussionen

Ähnlich verhielt es sich bei unserem nächsten Tour-Stopp. Auch in Leipzig wurden viele Zuschauer*innen erst auf das Konfuzius-Institut aufmerksam, als sie von unserer gemeinsam mit der Leipziger Amnesty-Hochschulgruppe organisierten Veranstaltung auf Werbeplakate und -Flyer gelesen hatten. Anders als bei der Premiere waren hier mehr Studierende anwesend, was vermutlich auch an dem Austragungsort in einem Hörsaal der Universität Leipzig lag.

Was mich jedoch besonders überraschte, war das durch den Film entwickelte große Interesse an der Thematik. Während unser Zeitfenster im angemieteten Hörsaal immer kleiner wurde, stieg die Diskussionsbereitschaft und das Interesse umso stärker an. Dies führte dazu, dass ein Sinologie Professor vorschlug, ins wenige Gehminuten entfernte Sinologie-Institut zu gehen, um dort die Diskussion weiterzuführen. Überraschender Weise schlossen sich dieser Wanderschaft mehrere Dutzend Zuschauer*innen an – unter ihnen hauptsächlich Studierende, aber auch Berufstätige und Mitarbeiter*innen des Konfuzius-Instituts.

So kam es, dass uns eine Lehrerin, die am Konfuzius-Institut Leipzig angestellt ist, offenbarte, den gleichen Vertrag wie Sonia aus dem Film unterschrieben zu haben. Obwohl das für Doris Liu, die sich schon seit Jahren für die Schließung der Konfuzius-Institute einsetzt, nichts Außergewöhnliches ist, war sie dennoch überrascht. Wie ist es in einem Land wie Deutschland möglich, Verträge aufzusetzen, die Menschenrechte missachten oder sogar verletzen?

Was nun?

Es ist dennoch hervorzuheben, dass Menschenrechtsverletzungen nicht einfach hingenommen, geschweige denn, ignoriert werden dürfen. Im Gegenteil: sich diese ins Bewusstsein zu rufen, machen sie erst diskursfähig. Erst dadurch bieten sich Möglichkeiten, aktiv gegen die Menschrechtsverletzungen vorzugehen. So hat zum Beispiel ein Zuschauer bei unserer Filmveranstaltung in München den Vorschlag hervorgebracht, eine Unterschriftensammlung durchzuführen. Eine andere Zuschauerin z.B. verwies auf den bayerischen Bürgerbeauftragten, der für Anliegen aus der Gesellschaft beauftragt ist und die Lücke zwischen Politikern und Bürgern schließen soll. Dies sind kleine Handlungsoptionen, die in der Summe jedoch erheblich dazu beitragen, dass Menschenrechte bewahrt und eingehalten werden.

Bei der Veranstaltung in München berichteten Peter Irwin (Weltkongress der Uiguren, links im Foto) und Asgar Can (Uigurische Gemeinde in Europa e.V., zweiter von links im Foto) über die Einschüchterungsversuche der Kommunistischen Partei gegenüber den in Deutschland lebenden Uiguren.

Während unserer Deutschlandtour, bei der auch einige Medienvertreter anwesend waren, wurden die Konfuzius-Institute verstärkt in den Medien kritisiert. Aus Sicht der Menschenrechtsorganisation ist das natürlich als Erfolg zu werten, denn durch die mediale Präsenz der Thematik wird auch immer einen Druck auf Regierung und Politiker ausgeübt, der Sache nachzugehen. Und wenn wir fragen, welchen Mehrwert wir aus der Konfuzius-Veranstaltung nehmen, dann der, dass viele Menschen nun einen kritischeren Blick auf die Konfuzius-Institute werfen.

Abschließend kann man also sagen, dass die Filmreihe ein Erfolg war. Sie war ein produktives Mittel, um die Thematik in die Gesellschaft zu tragen. Jedoch möchte ich auch betonen, dass die Arbeit damit nicht getan ist. Sich auf dem Erfolg auszuruhen, wäre im Hinblick auf die Menschenrechte fatal.

Autor: GfbV Online

Hinter GfbV Online versteckt sich das Onlineteam der international tätigen Menschenrechtsorganisation "Gesellschaft für bedrohte Völker e.V".

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