„Hau ab, es ist genug! Wir werden die Türkei schon irgendwie unterstützen!“

Eine literarische Darstellung des Gespräches zwischen Trump und Erdogan in Paris von einem Kurden aus Afrin.

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Foto: The White House via Flickr

Donald Trumps und Recep Tayyip Erdogan trafen am Rande der Zeremonie zum Ende des Ersten Weltkrieges in Paris am 11. November 2018 aufeinander. Shekho Bello, ein Kurde aus Afrin, inspirierte dieses Treffen zu einem literarischen Ausflug. Er stellte sich vor, wie das Gespräch zwischen den beiden Präsidenten verlief.

von Shekho Bello

Trump: Hi Mr. Erdogan!

Erdogan: Assalamu ‘alaikum, möge Friede und Barmherzigkeit Allahs und sein Segen mit Euch sein, Herr Präsident!

Trump: Erdogan, was denkst du, ist der Erste Weltkrieg beendet?

Erdogan: Vallahi billahi, unser Krieg gegen die PKK-Terroristen kommt nicht zu Ende. Bereits der Gründer unserer geliebten Republik, Atatürk, führte Krieg gegen diese Terroristen… Daher brauchen wir dringend die Unterstützung und den Beistand unserer Freunde in Amerika und weltweit.

Trump: Erdogan, Sie beschweren sich immer! Ihre Wünsche enden nicht… Sie sind immer wie der kleine Junge, der wie ein Mädchen weint und seufzt… Mein Freund Erdogan, wir sind auch ein Volk und haben einen Staat… und der hat eigene Interessen. Sollen wir etwa auf unsere Interessen verzichten und nur noch an die der Türkei und deren Probleme denken? Die USA sind doch nicht die Bediensteten der Türkei, oder?

Erdogan: Ich entschuldige mich, Herr Präsident! Ich wollte Sie nicht ärgern… Aber können sie denn wenigstens keine Waffen mehr an die Terrororganisation liefern?

Trump: Erdogan, ich hab dir doch erlaubt, Afrin zu besetzten. Ich hab doch meine beiden Augen zugedrückt. Ich schaue immer noch weg, und sage niemandem, was du mit deiner Armee und deinen syrischen Söldnern in Afrin treibst. Du hast uns nicht einmal ein paar Kanister von dem gestohlenen Olivenöl aus Afrin vorbeigebracht! Weder grüne noch schwarze Oliven aus Afrin haben wir zu Gesicht bekommen. Nein, Herr Erdogan, es reicht mir! Ich habe ganze Listen über Opfer, Diebstähle und Details, was du in Afrin verbrochen hast. Wir haben dir erlaubt, Afrin zu besetzen, aber bitte nicht so! Kannst du nicht aufhören, die Kurden dort öffentlich zu bestehlen? Als NATO-Partner schämen wir uns für das Verhalten deiner Armee! Wir schämen uns für die Morde, Entführungen, Vergewaltigungen und Brandstiftungen! Selbst einige Verbündete von dir beginnen sich bei uns über das unmögliche Benehmen türkischer Soldaten und islamistischer Söldner zu beschweren! Gestern zum Beispiel erhielt ich einen Bericht einer Menschenrechtsorganisation über die Schweinereien deiner Armee in Afrin. Entschuldige, dass ich von Schweinen rede! Sie sind bei euch Muslimen nicht rein, oder? Den Bericht habe ich noch nicht gelesen, wobei ich ihn nach Paris hätte mitbringen können. Leider habe ich ihn in dann doch Washington vergessen. Meine Mitarbeiter erzählten mir aber von weinenden Kurden, die vor dem Weißen Haus standen, um gegen, sorry, deine Schweinereien in Afrin zu protestieren. Auch deine Anhänger, Kurdengegner der „Pi Way Di“ beginnen sich bei mir über deine Schweinereien, sorry noch einmal, zu beschweren. Sie sagen, dass die Herrschaft der PYD tausendmal besser war als eure islamistische Herrschaft. Nein, Erdogan! Es reicht uns! Das Leben ist schließlich kein Wunschkonzert! Hör auf, jeden Tag wie ein gehässiger Hund zu bellen und Kurden zu drohen!

Donald Trump und Recep Tayyip Erdogan hatten bei ihrem Treffen in Paris viel zu besprechen.

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Foto: TURKISH PRESIDENCY /HANDOUT/Anadolu Agency/Getty Images

Erdogan: Herr Präsident, ich entschuldige mich noch einmal für meine Dummheiten! Wir dachten, dass das mit den Terroristen in Afrin innerhalb von einer Woche erledigt wäre. Dann hätten wir in Qamishli und Kobani weitermachen können. Dann wäre überall auch die Flagge, die Flagge Ihres NATO-Verbündeten Türkei, auf allen Gebäuden und an den Spitzen der Hügel und der Berge zu sehen. Herr Präsident, der Widerstand dieser Terroristen war aber überraschend stark. Sie verfügten über modernste Waffen, wahrscheinlich auch über welche aus den USA… Wir mussten fast zwei Monate lang Tag und Nacht gegen die Terroristen in Afrin kämpfen. Zum Glück sind Russland, der Iran und der Diktator Assad den Terroristen in Afrin nicht zur Hilfe geeilt. Herr Präsident, Putin ist ein Feind des Westens, wir Türken sind schon immer die treusten Freunde der USA gewesen. Lassen Sie bitte die Türkei nicht allein im Kampf gegen die separatistischen Terroristen! Diese Terroristen sind Feinde Allahs und Feinde des Westens!

Trump: Erdogan, über deine Geschichten kann ich nur lachen… Du hättest wissen müssen, dass Kurden Helden sind. Die Kurden kämpfen seit Jahren tapfer gegen den IS. Ohne diese Kurden, ohne ihre Opferbereitschaft hätte Amerika viele Soldaten verlieren können. Du aber hast die Islamisten großgezogen!

Erdogan: Aber Herr Präsident…! Wir haben den IS unterstützt, weil Obama und Hillary Clinton das wollten und weil wir dafür Anweisungen aus der NATO-Zentrale in Brüssel erhielten.

Trump: Okay, okay… das weiß ich auch! Aber trotzdem, die Türkei muss für unsere Unterstützung bezahlen. Es gibt nichts um sonst! Wir sind hier nicht bei der Wohlfahrt! Es reicht, wir haben der Türkei lang genug gegen die Kurden geholfen, auch im Irak und in der Türkei…

Erdogan: Aber Herr Präsident, wir sind doch Partner bei der NATO!

Trump: Erdogan, jetzt ist es aber Schluss! Wir haben nicht nur türkische Probleme, wir müssen uns auch um die ganze Welt kümmern, auch um die Saudis… Apropos Saudis: Die bringen zwar manchmal Journalisten um, aber für unsere Dienste zahlen sie immer fleißig und rechtzeitig und zwar in harter Währung und nicht in der wertlosen türkischen Lira!

Erdogan: Aber Herr Präsident…!

Trump: Nun ist aber wirklich Schluss! Wenn unsere Frauen nicht anwesend wären, hätte ich dir schon längst eine verpasst… Jetzt verschwinde, ich muss ein paar Sachen twittern… Wir werden die Türkei schon irgendwie unterstützen…

Erdogan: Teşekkürler, danke, Herr Präsident! Allah schütze Sie und Amerika!

Übersetzt von Dr. Kamal Sido, Türkeiexperte der Gesellschaft für bedrohte Völker

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[Zum Autor]

SHEKHO BELLO lebte in Afrin im Nordwesten von Syrien. Durch den türkischen Einmarsch in der vorrangig kurdischen Region im Frühjahr 2018 verlor er sein ganzes Hab und Gut. Heute lebt er als Flüchtling in Aleppo.

Autor: GfbV Online

Hinter GfbV Online versteckt sich das Onlineteam der international tätigen Menschenrechtsorganisation "Gesellschaft für bedrohte Völker e.V".

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