Solibotschaft an den Hambacher Forst

Mitglieder der ehrenamtlichen Regionalgruppen der Gesellschaft für bedrohte Völker solidarisieren sich während der 50. Jahreshauptversammlung mit der STOP KOHLE – HAMBI BLEIBT- Bewegung.

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Foto: Mitglieder der ehrenamtlichen Regionalgruppen der Gesellschaft für bedrohte Völker solidarisieren sich mit der STOP KOHLE – HAMBI BLEIBT- Bewegung.

Die Lage im Hambacher Forst hat sich vorerst entspannt. Doch der Protest gegen das Vorgehen des Energiekonzern RWE geht weiter. Auch die GfbV-Ehrenamtlichen Anke Konietzny und Tjan Zaotschnaja sind Teil des Protest. Und verbinden dabei Umweltschutz mit dem Schutz von indigenen Völkern. Jetzt haben sie gemeinsam mit schorischen Aktivisten eine Solibotschaft für den Hambacher Forst verfasst, die wir an dieser Stelle gerne abdrucken.

von Anke Konietzny und Tjan Zaotschnaja

Tjan und Anke senden Euch herzliche Grüße aus Göttingen, wo wir das 50-jährige Bestehen der Gesellschaft für bedrohte Völker begehen.

Die Gesellschaft für bedrohte Völker setzt sich weltweit für Minderheiten ein, die beispielsweise aus ethnischen oder religiösen Gründen verfolgt werden. Dabei handelt es sich häufig um indigene Völker. Sehr oft werden Bodenschätze auf dem Land indigener Gemeinschaften abgebaut, wodurch diesen die Lebensgrundlage entzogen wird.

Indigene Völker sind doppelt bedroht. Jeder Angehörige leidet individuell.

Zusätzlich erfahren die Gemeinschaften als Ganzes durch Vertreibung, Unterdrückung oder Verfolgung einen kulturellen oder physischen Völkermord.

RWE gräbt nicht nur im Rheinland nach Braunkohle. RWE importiert auch im großen Stil Steinkohle, die z.B. in Kolumbien oder Russland im Tagebau gewonnen wird.

Im südsibirischen Kuzbass war der frischgefallene Schnee im vergangenen Winter schwarz durch die Sprengung der kohlehaltigen Berge.

Land, Luft und Wasser sind verseucht.

Das indigene Volk der Schoren ist dadurch vom Untergang bedroht.

Vertreter des Volkes, die sich wehren, teilen das weltweite Schicksal indigener Umweltaktivist*innen. Sie werden schikaniert, ins Exil gedrängt oder getötet.

Das schorische Aktivistenehepaar Tannagashev, das sich seit Jahren gegen den Kohleabbau und die Vertreibung ihrer Gemeinschaft einsetzt, musste aus Sicherheitsgründen im April an einen unbekannten Ort im Ausland fliehen.

Von dort senden Sie uns diese Solidaritätsbotschaft, die von Tjan übersetzt wurde:

Liebe Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Demonstration,

im Namen des indigenen Volkes der Schoren in Südsibirien übersenden wir Ihnen unsere Grüße der Solidarität und Unterstützung in Ihrem Kampf zur Erhaltung des Hambacher Waldes. Ihr Widerstand ist wie ein Schild, der die Umwelt gegen den Abbau des schmutzigsten Rohstoffs der Welt verteidigt.

Auf das Schärfste verurteilen wir das Vorgehen des Konzerns RWE, der das letzte Stück des Waldes zu vernichten plant.

Wir verstehen den Schmerz derer, die sich zum Anwalt des Hambacher Waldes machen.

Die Kohle bedeutet auch für unser Volk der Schoren Tränen und großes Leid.

RWE kauft auch Steinkohle aus unserem Gebiet. Rolf Martin Schmitz hat dies auf unsere Frage im April 2018 auf der RWE-Hauptversammlung bestätigt.

Wie Sie im Hambacher Wald verteidigen auch die Schoren ihr Land in Südsibirien, ihre Taiga und ihre Flüsse und kämpfen gegen den barbarischen Kohleabbau.

Der Wald bedeutet Luft, Leben, unsere Zukunft.

Die Kohle bedeutet Tod.

Kämpfen Sie bitte weiter für Ihre Zukunft!

In unseren Gedanken sind wir mit Ihnen.

Mit solidarische Grüßen

Yana und Vladislav Tannagaschev

von der Organisation „Wiederaufbau des Ortes Kasas und des schorischen Volkes“

im Oktober 2018

Zusammen mit den ehrenamtlichen Regionalgruppen der Gesellschaft für bedrohte Völker schließen wir uns den solidarischen Grüßen der Schoren an und fordern STOP KOHLE weltweit – HAMBI BLEIBT!

Mehr zu indigenen Umweltschützern:

„Frischer Schnee ist schwarz im Land der Schoren“

Water Protectors unterstützen Umweltaktivisten in Deutschland

UN: Standing Rock symbolisch für Situation indigener Gemeinden

Peru: Indigene kämpfen mit bloßen Händen gegen Öl-Katastrophe im Amazonas

[Zur Autorin]

ANKE KONIETZNY engagiert sich seit Jahren ehrenamtlich für die GfbV in der Regionalgruppe Düsseldorf. Um für die Rechte von Minderheiten und indigenen Völkern zu werben, organisiert sie Infostände, beteiligt sich an Mahnwachen oder kritisiert bei Aktionen die Energiepolitik in Deutschland.

Autor: GfbV Online

Hinter GfbV Online versteckt sich das Onlineteam der international tätigen Menschenrechtsorganisation "Gesellschaft für bedrohte Völker e.V".

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